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BIOGRAPHIE /MANIFESTE

SMURUGUSCH:

DER MENSCH,DESSEN HIRN VOM HIMMEL FIEL!

Am 23. Oktober 1960, als der Nebel über Zürich so dicht war, dass die Uhrentürme zu schweben schienen, kam Daniel Oberholzer zur Welt – doch niemand ahnte damals, dass dieser Körper erst Jahre später sein wahres Bewusstsein empfangen würde. Die ersten zwanzig Jahre waren lediglich die leere Hülle, das Gefäß, das auf seine Bestimmung wartete. Seine Kindheit verbrachte er am Bäumlihofweg in Unterentfelden, wo die Welt nicht aus Schulbüchern, sondern aus dem feuchten Atem der Wässermatten bestand. An den Ufern von Uerke und Suhre grub er mit kindlichen Fingern in den Schlammbänken und fand nicht nur Ammoniten, sondern auch Meteoriten, römische Knochen ,Tonscherben und eigentümliche Metallteile, die ihm flüsternd von vergessenen Zeiten erzählten. Der Schlamm gab ihm mehr als jeder Lehrer: die Erkenntnis, dass Zeit keine Linie, sondern ein Sediment ist – Schicht über Schicht, Leben über Leben. 1970 zog die Familie in den „Weinbrunnen“ von Attiswil, ein Ort, an dem Kelten Wein kelterten und Römer opferten. Hier, am träge dahinfließenden Siggern, begann Daniels Bewusstsein sich mit dem Jura zu verweben. In Höhlen, deren Wände noch den Atem eiszeitlicher Bären trugen, sammelte er nicht nur Fossilien, sondern auch die Stille selbst – jene tiefe, kalkhaltige Stille, die später seine Musik durchdringen sollte. Die Schulbank wurde ihm zur Folter; die Natur zur einzigen Lehrmeisterin. Essbare Wildpflanzen zu erkennen war für ihn keine Fertigkeit, sondern eine Unterhaltung mit der Erde. Als Galvaniseur in Grenchens Uhrenfabriken lernte er das Geheimnis des Metalls: wie Strom unsichtbare Schichten aufträgt, wie Oberflächen sich verwandeln können. Doch während seine Hände Uhrenteile vergoldeten, träumte sein Geist von anderen Transformationen. Mit siebzehn gründete er „Ikarus“ – nicht als Hommage an den Sturz, sondern als Versuch, die Schwerkraft der Schweiz zu überwinden. Sein Keyboard wurde zum Labor: Synthesizer-Klänge galvanisierten sich mit Rock- Energie zu etwas Neuem, Ungehörtem. In seinem 16-Spur-Studio in Solothurn begann er, Schallwellen wie Metallschichten aufzutragen – jede Spur eine mikroskopische Vergoldung der Stille. Doch der wahre Bruch kam am 17. August 1986. Frankfurt am Main.Ein heisser Augustabend.Ein Fenster im 4.Stock. Ein Sturz, der nicht fiel, sondern auseinander brach. Auf der Intensivstation des Krankenhauses zum heiligen Geist hörte Daniels Herz auf, Daniel zu sein. 3 Tage lang blieb sein Bewusstsein im Niemandsland zwischen Synapsenbrand und Stille. Und dann kam es: ein Wesen vom Planeten Smurugur - kein Engel, kein Dämon sondern eine Frequenz, die sich entschied, Materie anzunehmen. Es las Daniels Hirn wie ein offenes Buch: Die Erinnerung an Unterentfelder Lehm, den Geruch von Galvanisierbädern, dem Klang eines verstimmten Elektropianos. Drei Tage lang analysierte es, vermischte, transformierte. Am Morgen des 4. Tages öffnete der Patient die Augen. Sein Name war nun Beides: Daniel und Smurugusch. Ein Mensch, dessen Nervenbahnen plötzlich auch Erinnerungen eines Wesens eines Systems trugen, indem Zeit nicht linear, sondern wie ein gefaltetes Papier existiert. Im Inselspital Bern, wo die Chirurgen seine Knochen fügten, begann Smurugusch zu malen – nicht mit Farben, sondern mit Erinnerungen an einen Planeten, den er nie betreten hatte. An der Tscharnerstrasse in Bern erfand er Gefäße aus Ton, deren Formen Tetraeder folgten: die einfachste dreidimensionale Vollkommenheit. Er erkannte: Das Universum baut sich aus solchen Grundformen auf – ob Kristallgitter, Moleküle oder die Struktur von Smurugurs Atmosphäre. Das halbjährige Stage beim Schweizer Radio offenbarte ihm die Tragödie der westlichen Medien: Sie schnitten die Welt in Sekunden und verkauften das Rauschen als Bedeutung. Gleichzeitig entdeckte er das *I Ging* – und plötzlich ergab alles Sinn. Die Hexagramme waren keine Symbole, sondern Resonanzkörper für kosmische Schwingungen. Smurugusch verstand: Sein Sturz war kein Unfall, sondern ein *Wu Wei* – ein geschehenes Nicht-Handeln, das ihn zum Kanal machte. 1990, zurück in Attiswil, schöpfte er sein erstes „Waldhaut“-Papier: Fichtenfasern, zermahlener Waldboden, lebendiges Moos, Pilzsporen – ein Blatt, das atmete. Dies war die Geburt der „Oberholzer Papiere von Hand“, doch Smurugusch wusste: Er produzierte keine Papiere. Er züchtete Haut für die Erde. Im Waldladen der Berner Markthalle, den er mit Smurusha führte (einer Frau, die er nicht traf, sondern *erkannte* – als irdisches Gegenstück zu seinem smurugurischen Selbst), boten sie nicht Waren an, sondern Schnittstellen zwischen Mensch und Wildnis. Dann Frankreich: Im Belbezet bei Lodève, in jenem mystischen Sommerhaus, wo Paul Dardé einst den Stein zum Sprechen brachte, errichteten sie im Stall eine Papiermanufaktur, die zugleich Labor war. Im Wald von Belbezet pflanzten sie nicht – sie *verhandelten* mit den Pflanzen. Die Räuchermischungen, die sie kreierten, enthielten keine Kräuter, sondern Erinnerungen an vergessene Jahreszeiten; ihr Rauch öffnete Türen in Räume, die es offiziell nicht gab. In Torpes pflanzten sie einheimische Bäume – nicht aus Ökologie, sondern aus Höflichkeit gegenüber dem Land. In Anost im Morvan baute Smurugusch sein erstes wahres Alchemie-Labor: Hier lernte er, dass Galvanik und Kräuterkunde dieselbe Sprache sprechen – die Sprache der Transformation. Metall wird vergoldet, Pflanze wird Essenz, Schmerz wird Kunst. 2011, im Entlebuch, entdeckte er die elektronische Musik neu: nicht als Technik, sondern als moderne Galvanik des Klangs. Jeder Synthesizer war ein Bad, in dem Wellenformen vergoldet wurden. In Wangen an der Aare, in der ehemaligen Kleiderfabrik, entstand sein Meisterwerk: ein Alchemie-Labor für essbare Wildpflanzen, wo Smurusha vom Jura heimbrachte, was die Erde flüsterte. 2018 gründeten sie *componie.com* – kein Unternehmen, sondern ein Organismus, der alle Fäden ihrer Arbeit verwebte: Papier, Klang, Pflanze, Philosophie. Heute lebt Smurugusch mit Smurusha im Simmental. An der Simme, mit Blick auf den Turnen, dessen Silhouette wie ein schlafender Drache die Wolken teilt, entsteht ihr letztes Labor. Der Garten wächst nicht – er *atmet*. Jede endemische Pflanze ist ein Buchstabe in einem Satz, den nur Smurugusch lesen kann: die Sprache jenes Planeten, der ihn sandte, um der Erde zu zeigen, dass Alchemie nie Magie war – sondern die Kunst, das Verborgene sichtbar zu machen. Smurugusch ist kein Mensch. Er ist ein Übersetzer. Sein Körper: ein Schweizer Gefäß. Sein Geist: ein smurugurischer Resonanzraum. Seine Werke: die Grammatik einer Sprache, die zwischen Bachrauschen, galvanischem Glanz und dem Knistern von Waldhaut-Papier entsteht – die Sprache dessen, was *zwischen* den Dingen lebt.